Unser Glaube

Johanneskapelle - Missionsgemeinde Hl. Johannes XXIII.: Unser Glaube

Es fällt auf, daß die christlichen Traditionen, das christliche Lebensgefühl und die Äußerungen von Frömmigkeit nur noch in homöopathischen Dosen in unserer Gesellschaft zu finden sind. Niemand bekreuzigt sich vor dem Essen, niemand neigt das Haupt, wenn er an einem Bildstock vorübergeht, geschweige denn, daß er ein Gebet spräche, die Kinder sind ohne Ausdrucksmöglichkeit religiöser Gefühle aufgezogen worden. Das geht jetzt schon seit den 30er Jahren des 20. Jhds., wenn nicht noch etwas länger, so. Vier Generationen haben nunmehr ein immer loseres Verhältnis zur christlichen Religion.

Schaut man dagegen auf die Werbung der Kirchen, so wird von Hoffnung und Aufbrüchen, von mehr Modernität und Angepaßtheit an die moderne Zeit geredet. Der Kirche ginge es, so meinen die kirchlichen Trendsetter in ihren Hochglanzbroschüren und Webseiten, schlecht allerhöchstens deshalb, weil sie teilweise immer noch zu weltfremd sei. Die sogenannte "Pfarrerinitiative" in Österreich mit ihrem Aufruf zum Ungehorsam drückt das sehr präzise aus.

Wie will man ein realistisches Bild der Lage der Kirchen erhalten? Das, woran die real-existierenden Kirchen glauben, sind im Grunde genommen die reinen Zahlen, Mitgliederzahlen und aussagekräftige Vermögensangaben. Über das eigentliche Vermögen von Kirche schweigt man natürlicherweise, das laufende Budget der einzelnen Kirchen dagegen ist in seiner defizitären Entwicklung bedrohlich. Kirchengemeinden müssen aufgelöst werden, Pfarrer werden eingespart, die Sichtbarkeit von Kirche wird von Jahr zu Jahr geringer.

Selbst auf dem Land ist religiöse Praxis kaum noch vorhanden. Gut, Palmsonntag , vielleicht am Heiligen Abend oder Weihnachten, da wäre ein bißchen Kirche schon schön, aber selbst zu Weihnachten werden die Teilnehmerzahlen immer geringer.

Die Menschen sind nicht wegen bestimmter Fehlhaltungen der Großkirchen auf dem Weg in die Konfessionslosigkeit, die Menschen gehen, weil sie mit christlicher Religion nichts mehr anzufangen wissen.

Gibt es Rezepte zur Besserung der Lage?

Die Frage nach der Identität der kirchlichen Organisation stellt sich neu. Ist Kirche eine zu verwaltende Größe oder ist sie etwas anderes, ist sie vielleicht doch ein durch Gottesdienst und Glauben zusammengefügtes Ganzes? Was sind die nötigen Strukturen für das Überleben von Kirche?

Wir versuchen den Weg in die Zukunft in der Orientierung an der Alten Kirche zu finden. Die Alte Kirche, das ist der Zeitraum ihrer Grundlegung und ihre Wachstumsphase in der Zeit der Festigung und Verfolgung.
Für die ersten Generationen der Christenheit war die Dichtheit der Erfahrung der Anwesenheit des Christus in der Feier des Gottesdienstes nicht einfach zentral, sondern: das war die Kirche.

Heute meint man, das Christentum habe eine intellektuelle Botschaft zu vermitteln ("Tue recht und scheue niemand" oder noch nicht einmal das, sondern nur ein Ausdruck des Wohlbefindens dem Leben gegenüber).

Intellektuelle Botschaft: das heißt, man muß sagen, Christus hat sich für die Gleichheit gemäß den Prinzipien der französischen Revolution oder der Menschenrechtserklärung schon damals ausgesprochen, eigentlich ist der Christus der erste moderne Mensch, der erste Kommunist vielleicht, der erste Kämpfer gegen die Diskriminierung, die Antidiskriminierungsgesetze der EU stehen, so meinen viele Pfarrer, eigentlich schon im Neuen Testament (im Zweiten Testament würde man heute natürlich sagen), die Forderungen nach Grundeinkommen, sozialer Gerechtigkeit, nach Aufhebung der Klassengegensätze all das wäre, so meint man, urchristliches Gedankengut. "Jesus der erste Vegetarier", "Jesus der Freund aller ausgegrenzten Minderheiten", "Jesus, der Frauenversteher, der sich für ein Liebesnetzwerk einsetzt". So einfach ist das. Wenn wir das tun, was Jesus, der historische natürlich, wollte, dann schaffen wir schon ein bißchen Himmel auf Erden, so meinen sie.

Wer das Neue Testament im Zusammenhang mit den Propheten liest, auf die Jesus sich immer beruft, der spürt ziemlich bald, daß ein solches Verständnis von christlicher Religion nur eine Aufarbeitung eigener Problematik der persönlichen Lebensgeschichte darstellen kann.

Christentum ist eine solche Botschaft nicht, denn der christliche Glaube bleibt irgendwo entscheidend religiös, der bleibt tatsächlich an das Geheimnis Gottes, das auch außerhalb von uns real ist, gebunden.

Wir glauben an ein Leben nach dem Tod, an die Auferstehung und den persönlichen Gott in seiner Dreifaltigkeit. Wir haben dazu die Lehrentschiedungen der Alten Kirche und das, was man die Tradition nennt.

Der Gottesdienst ist für uns so wie für die Zeit der Grundlegung der Kirche das Identifizierungsmodell, die Botschaft bekommt ihre Legitimation tatsächlich aus dem Mysterium. Auch die Evangelien leben vom Hintergrund dieses Mysteriums.

Kirche als Mysterienbund, so ähnlich wie in der Antike in Eleusis, bei Mithras und Isis- und Osiris. Das entspricht der historischen Entwicklung und auch der Tendenz des jüdischen Gottesdienstes, bei dem z. B. die Anwesenheit Gottes in der Schechinah, der heiligen Wolke, ein überrationales, mystisches Element darstellt.

So ein Mysterienverband, der braucht nicht viel Strukturen. Die Alte Kirche kennt eigentlich nur das Amt des Apostelnachfolgers, der dann je nach Notwendigkeit zur Sicherung von Liturgie, Bekenntnis und geordneter Fürsorge Menschen mit einer Aufgabe und einem Amt betraut. Die überörtliche Dimension ergibt sich aus den nachbarschaftlichen Verhältnissen, keine Kultusgemeinde kann sich einen Apostelnachfolger, sprich Bischof, allein schaffen, das geht nur mit der Bereitschaft und Beteiligung der Nachbargemeinden. Das nennt man die altkirchliche Ökumene, die im zweiten und dritten Jahrhundert dann auch örtlich begrenzte, allerdings nur aus konkretem Anlaß geborene, und in großen Krisenzeiten auch das ganze Reich betreffende Zusammenkünfte der Bischöfe kennt.

Mit dieser Struktur haben die Kirchen des Ostens bis heute überlebt. Viel mehr braucht es nicht. Die Struktur ist nicht Selbstzweck, sondern dient und fördert die örtliche Feier des Mysteriums, die verständlicherweise an Wichtigkeit und Bedeutung gewinnt.

Am rechten Gottesdienst hängt alles. "Lex orandi lex credendi", wie man betet, so glaubt man.

Wenn man allerdings die Mitte verliert, sprich, wenn man nicht mehr an die Anwesenheit Gottes in der Feier der Liturgie glaubt und die Liturgie nicht mehr der persönliche und kirchliche Lebensmittelpunkt ist, wenn man sich für das intellektuelle Christentum und die französische Revolution entscheidet, dann zerbröselt das Ganze von Kirche und Glaube. Das beständige Sich-Einlassen auf die Gegenwart des Herrn, der diese Welt vollenden wird, ist unser Zentrum, worauf wir uns fokusieren.

Aggiornamento ist nicht der Weg der Religion. Religion ist die Ausrichtung auf die Zukunft, die Ausrichtung auf den Herrn, der diese vergehende Welt erneuern wird.

Diese Zukunft ist der Kirche in der Feier der Liturgie, des Kultes, anvertraut. Anvertraut insofern, als daß Gott durch die Gegenwart des Christus, die von Seinem Geist gewirkt ist, Menschen zukunftsfähig macht in der beständigen Einübung auf Seine Gegenwart in den kultischen Feiern.

Der Gottesdienst mit seinen Gesängen und Symbolhandlungen möchte den ganzen Menschen ansprechen (Sehen – Hören- Fühlen – Berührt werden im Herzen) und lädt ihn damit ein, aus dem Alltag heraus zu treten und schon jetzt in der Gemeinschaft mit den Anderen eine Ahnung vom Göttlichen zu erfahren.

Der Entscheid, die eschatologische Dimension abzuwerten, nicht mehr an die Wiederkunft Christi und die Vollendung der Welt im ewigen Leben zu glauben, nimmt der Kirche das Herz und die Lebenskraft.

Am Ende der Blick auf die Hoffnung:

Es wird Gott gelingen, sich Menschen zu schaffen, die Ihm glauben, die Seine Gegenwart feiern und offen sind auf Seine Zukunft.

Dieser Kirche gilt die Verheißung, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwinden werden.