Fastenzeit

Johanneskapelle - Missionsgemeinde Hl. Johannes XXIII.: Fastenzeit

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Gedankensplitter zur Fastenzeit

„Du jetzt kommt die Fastenzeit, weißt du was das ist?“

Weniger essen, weniger trinken, weniger naschen, weniger rauchen, weniger...

lauten gewöhnlich die Vorsätze für die Fastenzeit. Einerseits wird das Fasten wieder richtig modern und viele Möglichkeiten zu Fastenseminaren werden geboten, auch viele Ordensgemeinschaften bieten Fasten im Kloster an, und wie viele unzählige Fastengurus gibt es nicht schon?

Andererseits fragen manche Altkatholiken was fasten für einen Sinn haben soll, wo man ja das ganze Jahr über fasten kann, wenn man das will.

Bevor Missverständnisse entstehen, sei an dieser Stelle festgestellt, dass die

Altkatholische Kirche nicht das Fasten abgeschafft hat, sondern nur den Zwang zum Fasten aufgehoben hat. Das heißt, dass die Fastenzeit auch für Altkatholiken, wenn sie es möchten, eine Zeit des In- sich- gehens und auch des Fastens sein kann.

Aus 2 werden 40 Tage – Aus der Geschichte der Fastenzeit!

Von Anfang an ging es den Christen in der Fastenzeit um die innere und äußere Vorbereitung auf das Osterfest als Hauptfest der Gläubigen. Zunächst bereiteten sich die Christen durch ein zweitägiges Trauerfasten (Karfreitag und Karsamstag) auf das Osterfest vor. Dann dehnte man das  Fasten auf die ganze Karwoche aus.

Im 4. Jahrhundert ist die 40-tägige Fastenzeit auf Ostern hin bereits fester Brauch.

40 ist ein biblisches Zeitmaß und an besonderen Stellen kommt es in der Bibel vor.

Zum Beispiel 40 Tage ist Jesus in der Wüste, das Volk Israel wandert in 40 Jahren aus Ägypten ins gelobte Land, Mose bleibt 40 Tage auf dem Berg Sinai, um die Gesetze zu erhalten...

Die Fastenzeit wurde mit dem 6. Sonntag vor Ostern (= 1. Fastensonntag) begonnen. Da man sonntags nicht fastete, legte man den Beginn der Fastenzeit vier Tage vor, auf den Aschermittwoch.

Vorbereitung auf die Taufe als ein Weg für die Gemeinde!

Besonders stark wurde diese Fastenzeit geprägt von der Vorbereitung der Taufbewerber auf die Taufe in der Osternacht. Gab es doch in den ersten Jahrhunderten nur die Erwachsenentaufe, und die Katechumenen bereiteten sich oft über mehrere Jahre auf ihre Taufe vor. Von daher stammt der Brauch der Taufwassersegnung in der Feier der Osternacht.

Man kann sich vorstellen, dass die Gemeinde diesen Weg besonders stark miterlebt hat, wenn diese Erwachsenen öffentlich um die Taufe gebeten haben.

Man erinnerte sich der eigenen Taufe und begab sich selbst auf den Weg der Umkehr und der Vorbereitung auf das Taufversprechen in der Osternacht.

In diesem Sinne war die Fastenzeit eben eine Zeit der inneren Einkehr und Buße.

Christliches Fasten

Es gibt ja bekanntlich genügend Gründe für das Fasten, begonnen beim zu ansehnlichen Körperumfang bis hin zu Fastenzeiten aus persönlich-religiösen Gründen.

Wenn man nun nach der Bedeutung des Fastens aus christlicher Sicht fragt, könnte man sagen: fasten bedeutet hier kurz und bündig: „beten, fasten, Almosen geben!“

Hinter diesen Schlagwörtern, die heute vielen Menschen nichts mehr sagen, verbirgt sich aber mehr, als es zunächst den Anschein hat. Sie stehen für drei Grundlinien des Christseins:

  1. Beten bedeutet Kontakt zu Gott herstellen.
    Das bedeutet nicht ein zusätzliches Gebet mehr am Tag zu verrichten, sondern Gott mein Leben hinzuhalten, die Verbindung mit ihm zu halten und ihm einen Platz im eigenen Leben einzuräumen.
  2. Fasten beschreibt einen Weg zu mir selbst.
    Ich kann mir überlegen, wie mein Leben derzeit aussieht, was mich beschäftigt, vielleicht zu viel in Anspruch nimmt. Gerade in der Tretmühle des Alltags kann es gut sein, nach sich selbst zu fragen, in sich hinein zu hören und eine Wegänderung vorzunehmen, wo sie sich anbietet. Ein Hilfsmittel auf diesem Weg zu sich kann das Fasten sein.
  3. Almosen geben weist hin zum Nächsten.
    Also, hier geht es nicht primär um das 50 Cent Stück, das man einem armen Menschen zusteckt – es geht um eine Grundhaltung, die nicht bei dem Satz: „zuerst komme ich, dann lange nichts und dann vielleicht die Anderen...“
    Als besonders wertvoll muss nicht immer Geld angesehen werden, sondern die Bereitschaft, anderen Menschen Zeit zu schenken und sich mit ihnen und ihren Anliegen zu befassen. Oder einen längst geplanten, aber aufgeschobenen Besuch zu machen. In diesem Zusammenhang gibt es ja bekanntlich viele Möglichkeiten.
    Auch zwischenmenschliche Begegnung kann daher als „Almosen“ betrachtet werden.

Zeit wirklich zu leben

Wann haben wir wirklich Zeit? Viele Menschen haben alles – nur nicht Zeit. Oder hätten sie Zeit, wenn sie sich welche nehmen würden?

Ich wünsche uns in diesem Sinne, dass diese kommende Zeit,  die Vorbereitung auf Ostern, das Hauptfest der Christen, eine erfüllte Zeit werden kann. Manchmal ist es gut, inne zu halten und sich daran zu erinnern, dass man von Gott angenommen ist.

Unser Leben ist reich beschenkt und Gott schenkt uns so Manches, das man erst im Nachhinein schätzt, wenn man darüber nachdenkt. Schön ist es, beschenkt zu werden, noch schöner, so meine ich, wäre es aber, mit anderen auch Erfahrungen und Freuden zu teilen.

In diesem Sinne uns allen eine erfüllte Zeit!