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Die Karwoche beginnt nach dem Palmsonntag, schließt Gründonnerstag und Karfreitag ein, und endet mit dem Karsamstag.

Abendmahl, Kreuzestod und Auferstehung Jesu gehören eng zusammen. Daher feierte man bis zum 4. Jahrhundert in der Osternacht alle drei Ereignisse; heute feiert man drei Tage von Leiden, Tod und Auferstehung des Herrn ab Gründonnerstag. Augustinus sprach im 5. Jahrhundert vom heiligen „Triduum des gekreuzigten, begrabenen und auferstandenen Christus”. In der evangelischen Kirche z.B. werden in der Karwoche traditionell tägliche Andachten - „Passionsandachten” - abgehalten.

Der Palmsonntag

Der Palmsonntag ist der Sonntag vor Ostern, der letzte der Passionszeit. Er ist der Beginn der Karwoche, aber auch schon ein Vorblick auf Ostern.

Am Palmsonntag wird der Einzug Jesu in Jerusalem gefeiert. Der Einzug zeigt Jesus als König, wie ihn der Prophet Sacharija (9,9) verheissen hat: Jesus reitet auf einem Esel. - Darin zeigt sich am Palmsonntag ein wichtiges Motiv der Figur Jesu: Jesus ist kein triumphaler Sohn Gottes, er zieht nicht wie Herrscher in Jerusalem ein, im Gegenteil: Er ist König trotz - oder gerade wegen seinem Verzicht auf alle blendende Grösse.

Zum Zeichen des Sieges dieses eselreitenden Königs nun hält ihm das Volk bei seinem Einzug in Jerusalem Palmzweige entgegen und jubelt (Johannesevangelium 12, 13 - 15). Palmen wurden schon im Altertum als heilige Bäume verehrt, im Orient ehrte man siegreiche Soldaten damit. In der katholischen Kirche werden mit Palmkätzchenzweigen Prozessionen zur Kirche veranstaltet.

Da in Mittel- und Nordeuropa keine Palmen wachsen, ersetzte man sie durch Palmkätzchen - je nach Region können es auch Ahorn-, Buchen-, Birken-, Weide-, Haselnuss-, Stachelbeer- oder Wacholderbeerzweige sein. Diese werden in der Ostersonntagsmesse geweiht, sie sollen Unheil abwehrende ("apotropäische") Wirkung haben; deshalb werden sie in katholischen Gebieten an das Stubenkreuz, über die Türschwelle und in die grünende Saat gesteckt.

Der Gründonnerstag

Der Gründonnerstag ist der Donnerstag in der Karwoche. Am Abend vor dem Todestag Jesu (dem Karfreitag) erinnert sich die Christenheit an das sogenannte Abendmahl. Dieses Abendmahl, das Abschiedsessen Jesu mit seinen engsten Vertrauten, ist der Ursprung der Abendsmahlfeier (katholisch: Eucharistiefeier). Die Christen aller Welt feiern am Gründonnerstagabend die Einsetzung dieses Ritus.

BildbeschreibungDie wohl berühmteste Darstellung des "letzten Abendmahls" am Gründonnerstag:
Leonardo da Vincis Fresko in Mailand

Erinnert wird im traditionellen Gründonnerstagsgottesdienst aber auch an die Geschichte der Fusswaschung: Jesus wäscht seinen Jüngern die Füsse und macht so seine Dienstbarkeit deutlich. - Füsse zu waschen war Sklavenarbeit. Schon 694 sind aus Spanien liturgische Fusswaschungen überliefert, im 12. Jahrhundert ist der Brauch in der Gründonnerstagmesse in Rom bekannt.

Weitere traditionelle Motive des Gründonnerstags sind die Erinnerung an das einsame Gebet Jesu auf dem Ölberg, an seine Verhaftung, Vernehmung und Geisselung.

Zur Erklärung des "Grün" gibt es verschiedene Ansätze:

  1. Im Mittelalter wurden die Sünder in der Fastenzeit vom Gottesdienst ausgeschlossen und mussten Busse tun. Erst am Donnerstag vor Ostern durften sie die Kirche wieder betreten. Als Zeichen für die Vergebung ihrer Sünden schmückten sie sich mit jungem Grün.
  2. Das "Grün" hat mit der Farbe Grün nichts zu tun, sondern leitet sich von greinen (althochdeutsch "weinen") ab. Ob sich das Klagen dabei auf die Fastenzeit mit dem Leiden, auf die darauffolgende Nacht, die Jesus in Todesangst verbrachte, oder auf das Weinen über die bevorstehende Kreuzigung Jesu bezieht, bleibt dabei offen.

Welches auch die richtige Erklärung sein mag: Der Name des Feiertags hat dazu beigetragen, dass in vielen christlichen Familien an diesem Tag grünes Gemüse (Spinat) gegessen wird.

Der Karfreitag

[von althochdeutsch kara = Wehklage]

Karfreitag und Karsamstag beschliessen die Karwoche, die nach dem Palmsonntag beginnt und den Gründonnerstag einschliesst. Der Karfreitag wird seit dem 2. Jahrhundert als Trauertag begangen.

Dieser Tag ist der Überlieferung nach der Todestag von Jesus. Zudem fanden der Prozess, die Hinrichtung und die Beerdigung Jesu am Karfreitag statt. Nach dem jüdischen Kalender ist Jesus am 15. Nisan mittags um die neunte Stunde am Kreuz auf dem Kalvarienberg gestorben. Dem gregorianischen Kalender zufolge könnte dies der 7.April des Jahres 30 oder der 3. April des Jahres 33 nachmittags um drei Uhr gewesen sein.

Der Karfreitag gilt für altkatholsiche Christen als strenger Busstag und ist heute höchster kirchlicher Feiertag.  Er ist der einizige Tag, an dem im Kirchenjahr keine Eucharistie gefeiert wird.

In Jerusalem feierte man schon im 3. Jahrhundert die ganze Heilige Woche, indem man den Weg Jesu nachging. Vorläufer der heutigen Kreuzwegandachten sind seit dem 15. Jahrhundert bekannt, prägend war stets der Franziskanerorden. Noch heute haben die Franziskaner das Privileg der Errichtung von Kreuzwegen in der römisch-katholischen Kirche.

Der Karsamstag

Der Karsamstag ist der letzte Tag der 40-tägigen Fastenzeit, ein Tag der Stille während der Grabesruhe Jesu und der Vorbereitung auf den Feiertag der Auferstehung Jesu, auf Ostern. Nach Anbruch der Dunkelheit findet die feierliche Auferstehungsliturgie statt. Heute manchmal auch im Morgengrauen des Ostersonntags.

Das Osterfest

Ostern ist neben Pfingsten das älteste Fest kirchliche Fest (es wurde schon um 115 in Rom gefeiert), und es ist das höchste Fest der Christenheit (ausgenommen die protestantische Kirche: Hier ist der Karfreitag der wichtigste Feiertag).

Die Wurzeln von Ostern liegen im jüdischen Passah- (Pessach)-Fest. Man hört das noch in den romanischen Namen von Ostern, französisch "pâques" zum Beispiel. Sein Inhalt jedoch ist spezifisch christlich: Ostern ist die Erinnerung an die Auferstehung Jesu von den Toten (vgl. Markus-Evangelium 16,6).

Diese Erinnerung wiederum klingt im Wort "Ostern" mit. Das deutsche Wort "Ostern" geht auf das germanische "Austro" zurück und leitet sich womöglich von einer angelsächsischen Göttin des Frühlings, bzw. der Morgenröte ab.

Die Osterzeit beginnt mit dem Ostermorgen und endet 50 Tage später mit Pfingsten. Bis zum 3. Jahrhundert feierte man Ostern als einen Festtag, im 3. Jahrhundert wurde dann die Woche vorher, die Karwoche, als Vorbereitungszeit zur Fastenzeit; im 4. Jahrhundert wurden die "drei heiligen Tage" von Gründonnerstag Abend bis Ostersonntag Morgen als Höhepunkt des Kirchenjahres eingeführt.

Das 1. Konzil von Nicäa legte fest, dass der Ostersonntag am 1. Sonntag nach dem 1. Vollmond nach Frühlingsanfang gefeiert wird. Daraus ergibt sich, dass der Ostersonntag nach dem im Westen gültigen gregorianischen Kalender frühestens am 22. März, spätestmöglich am 25. April stattfindet.

Traditionell wird in orthodoxen und katholischen Kirchen, zunehmend auch in reformierten, die Osternacht gefeiert. In dieser Nacht vor Ostern passiert die Wende von der Trauer zur Freude. In der Osternachtsfeier wird deshalb die Osterkerze entzündet, die die ganze Freudenzeit hindurch (d.h. bis Pfingsten) am Brennen bleibt.

Im 12. Jahrhundert wurden erstmals nachweislich Eier gesegnet. Eier gelten seit jeher als Fruchtbarkeitssymbol; im Mittelalter waren sie als Zahlungsmittel bedeutend. Neben Eiern wurden bald auch Schinken, Milchprodukte und Brot zur Weihe gebracht. Man wollte die lange Fastenzeit mit dem Verzehr der geweihten Speisen würdig beenden. Im 13. Jahrhundert werden erstmals bemalte Ostereier erwähnt. Nach den Fastenvorschriften war der Verzehr von Eiern in der Karwoche untersagt; die Hennen legten trotzdem, die Eier wurden gelagert; am Ostermorgen war dann der Eierkonsum besonders hoch. Man beschloss, diese gesammelten "Karwochen-Eier" zu bemalen und weihen zu lassen, damit sie sich von gewöhnlichen "Jahres-Eiern" unterscheiden. Die kunstvolle Bemalung der Eier war vor allem in Osteuropa verbreitet.

Evangelische Familien entwickelten im 17. Jahrhundert den Osterhasen als Eierlieferanten. Er sollte die Eier bemalen, verstecken und legen. Damit wollten die Protestanten sich von den Katholiken distanzieren, deren Fastenbräuche und Eierweihe sie ablehnten. Der Osterhase ist Symbol für Ostern und neues Leben wegen seiner Fruchtbarkeit - besonders im Frühling - und weil er mit offenen Augen schläft. Auch der Hahn brachte in manchen Gegenden die Eier, in der Schweiz der Kuckuck, in Westfalen der Fuchs, in Thüringen der Storch. Erst im 19. Jahrhundert konnte sich der Osterhase überall durchsetzen.

Ein weiterer alter Brauch – aus dem Mittelalter ist das risus paschale, das Osterlachen. In der Freude der Christenheit über die Besiegung des ärgsten Feindes, des Todes wurde am Ostersonntag in der Kirche gelacht, bzw. manchmal auch vom Bischof ein Ball geworfen, der den vor Freude springenden Erdball symbolisieren sollte. Auch wurde in den Predigten zum Lachen der Gemeinde beigetragen. Dieser Brauch ist vor allem in den angelsächsischen Ländern noch in Resten erhalten.

Bauernregeln:

  • Für Karfreitag: „Am Gründonnerstag und Karfreitag Regen, / gibt selten Erntesegen.”
  • „Karfreitag Sonnenschein / bringt uns reiche Ernte ein.”
  • „Wie der Wind ist am Karfreitag, wird er sein das ganze Jahr.”
  • „Wenn's dem Herrn ins Grab regnet, so gibt's einen trockenen Sommer.”
  • „Die Eier, welche die Hühner am Karfreitag legen, sind die stärksten.”